Das alles ist, denkt ihr jetzt vielleicht, eine Sache, die man in wenigen Wochen erledigen könnte. Und für Europa stimmt das auch. Aber in Indien muss man mal mindestens das Doppelte an Zeit draufrechnen, weil immer wieder irgendwelche unberechenbaren Kleinigkeiten (Termine, die nicht eingehalten werden, Materialien, die nicht verfügbar sind, Ansprechpartner, auf die man angewiesen ist, die aber zurzeit aus irgendwelchen Gründen nicht ansprechbar sind, Sprach- oder Kommunikationsprobleme, Verbindlichkeiten, die sich als Unverbindlichkeiten erweisen usw.) die Arbeit erschweren.

"Zwischendurch" haben wir uns zum Beispiel daraum gekümmert, in unserem Haus Internetzugang zu bekommen (ein Vorhaben für sich - bitte, beschwert euch NIIIE wieder in meiner Gegenwart über die Telekom, denn ich kenne jetzt BSNL...) und ich habe meinen von Hitze und Feuchtigkeit geplagten Laptop wieder fit gemacht. Übrigens auch ein eigenes Projekt, ich war inzwischen schon rund 10 Mal mit ihm bei der Reparatur, jedes Mal keine Sache von ein paar Minuten wie vielleicht in Europa, sondern meist von mehreren Stunden - und er zickt immer noch, aber immerhin kann ich das Wichtigste wieder erledigen und für Recherche, Strukturierung von Arbeitsprozessen und um Reports zu schreiben, was zwar langweilig, aber unerlässlich ist, damit unsere Arbeit nachvollziebar bleibt, ist ein funktionierender Computer unerlässlich.
Was das eigentliche Projekt betrifft, haben wir uns inzwischen darauf fokussiert, eine Bootstour für Touristen zu etablieren, die lokale Fischer- und Farmerfamilien einbinden soll. Damit soll ihnen ein weiteres Einkommen ermöglicht, also Entwicklungshilfe geleistet und gleichzeitig auch Umweltschutz und -erziehung betrieben werden. Es geht vor allem um den Schutz der Mangrovenwälder, für die die Region in Kundapur bekannt ist wie kaum eine andere, weil es hier das größte Mangroven-Habitat ganz Karnatakas gibt.

Außerdem werden bei der Shrimp-Farmerei Chemikalien eingesetzt, die den Mangroven alles andere als gut tun. Und schließlich gibt es da noch die Wasserverschmutzung durch den in Indien allgegenwärtigen MÜLL!
Mangroven haben es also nicht leicht. Die örtliche Forstbehörde macht schon seit Jahren große Aufpflanzungsaktionen, trotzdem muss man dem Problem generell Herr werden, denn so viele Pflanzen wie sterben - manche Arten sind bereits ausgestorben, kann man gar nicht künstlich nachpflanzen. Da ist die Überlegung eben, die Wälder für die lokale Bevölkerung wieder wertvoller zu machen, zum Beispiel eben durch Ökotourismus. Die Bootstour soll durch die Mangrovenwälder führen und Fischerleute sollen in dem Zusammenhang nicht nur Touristen herumfahren, sondern auch ausgebildet werden, die Wälder zu schützen, die ja, wenn mehr und mehr Touristen kommen würden, um sich die Natur anzuschauen, auch eine Wirtschaftsgrundlage für sie wären, die über Feuerholz hinausgeht.
Wer - beispielsweise wie diese Leute, die auf der Müllkippe Papier zusammensuchen, um es für ein paar Rupies an ein Recyclingunternemen zu verkaufen - nicht die finanziellen oder materiellen Mittel hat, um unmittelbar an dem Ökotourismus-Programm teilzunehmen, also hilfsbedürftig ist, soll durch einen so genannten "Community-Fund" unterstützt werden, in den ein Teil der Gelder fließt, die durch den Tourismus von den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft verdient werden. Soweit ein super Plan. Aber jetzt, wo ich beim Thema Finanzierung angelangt bin, verliere ich so langsam die Lust, weiterzuschreiben. Wer schon mal in Indien oder einem anderen Schwellenland gelebt hat, weiß wieso. Also mache ich demnächst weiter - und das nächste Mal lässt hoffentlich nicht ganz so lange warten wie bisher. Aber das behaupte ich ja auch jedes Mal. Und wer ein Mal in Indien gelebt hat, weiß wieso das vielleicht auch diesmal "nicht possible" ist...
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