Wednesday, May 28, 2008

Religionen



Dieser Mann macht Heiligenbilder.
Diverse Farben fuer religioese Zeremonien.

Die Kirche nebenan.



diverse Tempel
Jeder Hindu hat im Auto oder in der Riksha einen kleinen Altar.


Schlangenkult. Hier in Suedindien sehr verbreitet.


Viele Religionen leben hier friedlich mehr neben- als miteinander. Aber friedlich.

Schildkroeten & Haus- und Garten-Mitbewohner


Fischer

Am Fluss



Fluss

Steffi und ich am Strand. Also eigentlich am Fluss, der hier bei Kundapur vorbeifliesst.

Sunday, May 11, 2008

Balkon




Unser Balkon. Wir haben zwei davon und insgesamt fuenf Schlafzimmer. Habe mich heute auf dem Balkon gesonnt, der einzige Platz, an dem man als Frau kurze Sachen tragen kann - in der Oeffentlichkeit undenkbar. Will so schnell wie moeglich eine Hautfarbe bekommen wie eine Inderin. Weiss, dass das moeglich ist, weil eine andere Freiwillige aus Deutschland, die schon ein paar Monate hier ist, echt aussieht wie eine Frau von hier. Aber in der Mittagssonne laenger als 15 Minuten auszuhalten ist unmoeglich! Hier ist Essenszeit, ich melde mich die Tage wieder. Ihr habt ja jetzt schon einen kleinen Eindruck bekommen und wisst, dass es mir gut geht. Liebe Gruesse an alle und fuehlt euch umarmt!

Klos


Hm. Ihr ahnt es schon. Die Klos. Ist vielleicht gut, dass das Bild so dunkel ist und ihr kaum was erkennen koennt. Sehen jedenfalls aus wie in Frankreich, aber dort kann man, wenn ich mich richtig erinnere, Klopapier benutzen. Das ist hier unueblich und ueberflussig, weil es die Klos verstopfen wuerde. Man benutzt Wasser zum Reinigen. Braucht ein bisschen Uebung, ist aber im Grunde sehr hygienisch, wenn man sich danach gruenlich die Haende waschen kann, was bei uns gluecklicherweise moeglich ist. Aber spaetestens jetzt wisst ihr auch, warum Inder alles andere nur mit der rechten Hand machen. Auch ich finde es inzwischen unhoeflich, wenn mir jemand was mit der Linken gibt.

Waschen


Waschen geht nur von Hand. Macht man am besten taeglich, die Sachen trocknen ja auch innerhalb weniger Stunden. Waschen macht sogar (noch) Spass, weil man sich dabei ein bisschen abkuehlen kann. Eine Packung Waschmittel kostet uebrigens hier umgerechnet etwa 40 Cent. Die Preisverhaeltnisse sind extrem, verglichen mit Deutschland. Es braucht uebrigens auch einige Zeit, um herauszufinden in welchem Shop man was kaufen kann. Supermaerkte wie in Deutschland gibts hier nicht, zumindest nicht in Kundapura. Dafuer zig winzige Shops, die teilweise ein Sammelsurium von Keksen bis zu Seife verkaufen, teils auch nur Toepfe oder nur Schreibwaren usw. So langsam finde ich mich in der Stadt auch zurecht, obwohl es keine Strassenschilder gibt und ich ja nicht gerade fuer meinen Orientierungssinn bekannt bin... Ich hoffe, dass ich bald brauner werde, denn es ist extrem nervig, ueberall angestarrt zu werden und eine Attraktion zu sein. Dabei trage ich schon landesuebliche Kleidung. Auf den Boden gucken und ignorieren hilft ein bisschen und ich werde mich wahrscheinlich auch daran gewoehnen. Die Leute meinen das aber natuerlich freundlich und sind sehr nett. Die meisten laecheln einen an, winken, fragen nach dem Namen, und zumindest die Kinder in meiner Strasse kennen mich alle schon, weil Annika wie Anita klingt und das ein indischer Name ist, den sie sich leicht merken koennen. Aber kurz noch zu einem anderen Bereich indischer Lebenskultur, an die man sich als Deutsche gewoehnen muss...

Dusche


Duschen funktioniert hier anders... Es gibt nur kaltes Wasser, was aber sehr schoen ist, weil es im Bad tags und nachts sowieso um die 30 Grad warm ist. Man schoepft mit einem kleinen Eimer Wasser aus einer Schuessel und duscht quasi von Hand. Drei Mal taeglich Duschen ist unbedingt noetig, und man wuede es am liebsten alle 15 Minuten tun.

Mein Zimmer


Mein Zimmer, das ich mir mit Sandra teile.

Kueche


Unter Palmen


Blick vom Innenhof in den Palmen-Himmel.

Schoene Ueberraschung


Da wir die Station Kundapur verpasst hatten und zunaechst nach Udupi weitergefahren sind, hatten wir einen extrem nervigen Start. Die normalen Busse sind nicht fuer Gepaeck ausgelegt, und viele fuhren erst einfach an uns vorbei, bis uns endlich einer mitnahm. Da mussten wir uns in den Gang quetschen und wurden uebelst angestarrt. Drei Auslaender sind hier was Besonderes. Was mich extrem angenervt hat: Obwohl alle gesehen haben, wie wir uns abgeschleppt haben, hat uns keiner mit dem schweren Gepaeck geholfen. War echt am Ende meiner Kraefte, auch, weil ich vorher im Bus ungluecklich gestuerzt war (bei der Fahrweise kein Wunder) und mir eine ueble Prellung zugezogen hatte. Jedenfalls wurden wir am Busbahnhof in Kundapura von Arwind, einem FSL-Mitarbeiter abgeholt und dann wurde der Tag doch noch prima, denn uns erwartete Lindsey aus Grossbritannien, deren einjaehriger Aufenthalt in Indien fast zuende ist, und die uns das Gaestehaus zeigte in dem sie bis kommede Woche und wir fuer unseren ganzen Aufenthalt untergebracht sind. Es kommt noch ein weiteres Maedel, das Lindseys Job uebernehmen wird, aber wir teilen uns zu viert ein ganzes Haus. Genial! Das ist unser Haus von aussen.


Weiter ging es mit dem Nachtbus nach Kundapur. Der Bus war klasse, weil wir einen Schlafplatz hatten. Schoen, von den Betten aus durchs Fenster die naechtliche Stadt an sich vorbeiziehen zu sehen, vor allem nachdem die Abfahrt an der chaotischen Bushaltestelle purer Horror war. Sandra und Steffi sehen deshalb hier auch ein bisschen geschafft aus... Schoen, dass ich kein Bild von mir habe :-) Ein ganz duenner Inlay-Schlafsack fuer solche Gelegenheiten hat sich uebrigens als sehr sehr hilfreich erwiesen! Auch fuer dubiose Hotelbetten.

Lecker


Schoen und lecker ist auch das Essen. Wenngleich auch unglaublich scharf. Mische deshalb viel Reis und Brot mit dem Curry. Das Essen nur mit der rechten Hand erfordert auch ein bisschen Uebung, aber inzwischen bekomme ich es auch ohne zu sehr zu schmatzen und rumzuwutzen hin. Was mir aber immer noch schwer faellt: Brot brechen mit einer Hand... Jedenfalls ist das Essen echt eine Bereicherung. Hier seht ihr ubrigens einen Suessigkeiten-Laden. Dank praeventiver Medikation (in der Apotheke fragen!) verschonen mich uebrigens bisher auch die sonst fuer Indien ueblichen Magen-Darm-Beschwerden.

Pimp my Riksha


Schoen sind die Farben, zum Beispiel auch in und an den Autorikshas, die oft mit allem Moeglichen Geblinke und Malerereien aufgepimpt und teils schon kleine Kunstwerke sind.

Muell


Um die Aufzaehlung der negativen Seiten komplett zu machen: Muell ueberall. Ein Problem sind vor allem Plastikflaschen und Plastiktueten, die zumindest in den kleineren Orten nicht recycelt werden. Es gibt keine offentlichen Muelleimer, und Abfall wird einfach an den Strassenrand geworfen. Deshalb gibt es hier uebrigens auch keine unterernaehrten Strassenhunde und Ratten, die fast so gross wie Katzen sind. Und deshalb stinkt es bei diesen Temperaturen widerlich. So jetzt aber wieder zu den schoeneren Seiten Indiens.

Armut


Eine weitere traurige Seite Indiens: Die Armut, auf die man ueberall stoesst. Dieses niedliche Maedchen wird vermutlich niemals eine Schule besuchen und wie ihre Mutter ihren Lebensunterhalt mit Betteln verdienen. An den Strassenraendern sieht man oft Zelte aus blauen Planen, in denen die armen Leute unter den uebelsten hygienischen Verhaeltnissen leben. Nach hinduistischer Betrachtungsweise sind sie fuer ihr Schicksal selbst verantwortlich aufgrund ihres Verhaltens im vorigen Leben. Echtes Mitleid fuer diese Leute findet man hier deshalb selten. Dennoch wird den Armen auch Geld gegeben, denn damit vermeidet man nach Karma-Logik, dass man im naechsten Leben selbst mal auf der Strasse landet.

Chaos und Kinderarbeit




Unseren Tag in Bangalore verbrachten wir damit, durch die Stadt zu schlendern (was eigentlich nicht das richtige Wort ist, weil man staendig vor Fahrzeugen auf der Hut sein muss und die Strassen unglaublich ueberfuellt mit Menschen sind, so dass man keinesfalls bummeln kann). Ich liess mir, weil ich kaum Kleidung mitgenommen hatte, gleich drei Salwar Kameez schneidern, die traditionelle indische Kleidung, die aus Hose, Tunika und Schal besteht und sich als sehr luftig und fuer Temperaturen von um die 40 Grad als sehr praktisch erweist (mit dem Schal kann man sich prima den Schweiss abwischen). Jedes Set kostet umgerechnet etwa sechs Euro und ist massgeschneidert. Erst besorgt man sich bei Stoffhaendlern das Material, dann laesst man es sich beim Schneider naehen, was unglaublich schnell geht: in einer Stunde waren die Kleider fertig, dabei hatte der Schneider noch zig andere Auftraege. Was wir leider erst beim Abholen der Kleidung bemerkten: Der kleine Junge, der erst so wirkte, als wuerde er mit dem Naehzeug spielen, war offenbar leider auch in den Familienbetrieb eingebunden, faedelte Baender in die Hosen usw. Habe also gleich am ersten Tag Kinderarbeit unterstuetzt. Passiert mir hoffentlich auch nie wieder, obwohl man ja bei dem Stoff auch nicht sagen kann, wie er fabriziert wurde...

Die Maedels auf dem Foto sind uebrigens Sandra (links) und Steffi.

Shops


Dann versuchte der Fahrer uns in ein paar Shops zu schleppen, angeblich weil die Wechselstube noch geschlossen hatte. Die bekommen von ihm natuerlich alle Provision. Nach dem ersten Shop mussten wir sehr, sehr eindringlich Nein sagen, damit er nicht noch weitere abklapperte. Die Wechselstube war ploetzlich doch schon geoeffnet, als wir dem Fahrer klar machten, dass wir nicht genug Rupien hatten, um die Fahrt zu bezahlen :-) Jedenfalls lernten wir eine weitere Lektion fuer Indien: freundlich, aber hartnaeckig Nein sagen...

Sights


Zunaechst eine Sightseeing-Tour...
Die Regierung hat fuer representative Bauten viel Geld. Denn: Wer der Regierung dient, dient Gott (Schriftzug auf dem Gebaeudesims). Wieder was gelernt...

Ein Tag in der grossen Stadt



Bangalore ist unglaublich gross, laut, nervig und miefig. Wir hatten einen Tag Aufenthalt. Als Auslaender faellt man hier weniger auf als beispielsweise in Kundapura, aber trotzdem wird man angestarrt. Unser erster Weg fuehrte Steffi und mich morgens zu einer Wechselstube. Oder besser auf die Suche danach. Wir baten einen Autoriksha-Fahrer uns zu Thomas Cook zu bringen, aber er versuchte alles aus uns rauszuholen, was moeglich schien...

Ankunft in Bangalore


Bin Samstagnacht per Direktflug in Bangalore angekommen. Zusammen mit Sandra, die mit mir im Oekotourismus-Projekt arbeitet, und mit Steffi, die sozusagen mein Boss ist, weil sie fuer AFS die Teilnehmer des weltwaerts-Programms im FSL-Buero in Kundapura betreut und deren Arbeit koordiniert (insgesamt sind wir fuenf BMZ-Leute). Bin sehr dankbar fuer die angenehme Reisebegleitung und froh, dass wir drei auch kuenftig zusammen bleiben werden, denn wir teilen uns ein Haus. Aber dazu spaeter...

Ankunftsortszeit war Mitternacht. Am Flughafen erst Ratlosigkeit, wer uns abholt und wo. Ueberall Autoriksha-Fahrer mit Zetteln, auf denen Namen standen - nicht unsere. Der Fahrer tauchte nach kurzer Zeit doch noch auf und brachte uns zum Hotel. Waehrend der Fahrt lernten wir die ersten Lektionen indischer Lebensart:

- hier wird gehupt, statt geblinkt, geflucht oder gebremst

- der Mittelstreifen ist ueberfluessig, denn so passen drei Fahrzeuge auf zwei Spuren

- Zebrastreifen sind Dekoration

- gebremst wird nur fuer Kuehe

Waere es nicht so spaet in der Nacht gewesen und der Verkehr dementsprechend gering, haette ich vielleicht wirklich den beruehmten Kulturschock bekommen. Bislang blieb der gluecklicherweise aus. Der Verkehr nachts in Bangalore ist witzig - tagsueber ist er grauenhaft. Autorikshas stinken widerlich, ueber der Stadt schwebt eine Smog-Glocke und unsere ersten Versuche, die Strasse zu ueberqueren, waren klaeglich. Aber man gewoehnt sich an vieles...

Dieser Blog


Mit diesem Blog versuche ich euch ueber meine Reise nach Suedindien auf dem Laufenden zu halten. Fuer alle, die zufaellig auf diese Seite stossen: Ich nehme ueber die Entsendeorganisation AFS an dem neuen Programm "weltwaerts" des Bundesministeriums fuer Entwicklungszusammenarbeit teil und verbringe ein Jahr in Kundapur, einer Kleinstadt im Suedwesten Indiens, wo ich an einem Oekotourismus-Projekt der Organisation FSL mitarbeite. Dieser Blog ist sowohl fuer Berichte ueber das Projekt als auch ueber meinen Aufenthalt an sich gedacht. Werde vorwiegend in Bildern und Videos erzaehlen - einerseits, weil mich die Tastatur hier noch ein bisschen fertig macht, vor allem aber weil euch das einfach einen besseren Eindruck gibt. Viele kommen mich ja hoffentlich auch besuchen und wissen dann, was sie erwartet. Ich versuche es mal zusammenzufassen: ein warmes, freundliches, vielseitiges, lautes, nach Abgasen miefendes und dann wieder betauebend suess duftendes, faszinierendes Land, in dem ich mich zu Hause fuehle, auch wenn mir taeglich bewusst (gemacht) wird, wie fremd ich bin. Geografisch befinde ich mich knapp drei Stunden entfernt suedlich von Goa an der Kueste zum Arabischen Meer.